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Die Gründung und die ersten Semester

Im WS 1865/66 war ein schon älteres Semester, stud. Phil. Karl August Eicke aus dem Eichsfeld (Weissenborn), nach München gekommen. Er hatte erst im vorgerückten Alter die Studienlaufbahn begonnen, hatte bereits eine Reihe von deutschen und außerdeutschen Universitäten besucht, insbesondere Leipzig, Löwen und Prag, wo er überall katholische Studentenkorporationen gründen wollte. Bisher war ihm der Erfolg versagt geblieben. Im katholischen München und an der immer noch als katholisch anerkannten Universität glaubte er für seine kühnen Bestrebungen einen günstigen Boden zu finden. Eicke schwebte ein hohes Ziel vor. Es ging ihm nicht darum, einen katholischen Studentenverein nur als Sammelpunkt für 40-50 Studierende zur Pflege religiöser Gesinnung, wissenschaftlichen Strebens und echter Freundschaft zu gründen. Das genügte ihm nicht. Er stellte sich die Aufgaben, eine Vereinigung aller gut gesinnten studentischen Elemente der Münchner Universität zu schaffen, einen Allgemeinen Studentenverein, der seinen Mitgliedern auch alles bieten sollte: Befriedigung der geistigen wie der leiblichen Bedürfnisse. Der Verein sollte eine Art freies Konvikt unter studentischer Leitung sein, in welchem alle berechtigten Bedürfnisse sowohl des wissenschaftlichen Strebens als des studentischen Frohsinns ihre Befriedigung finden sollten. Zu diesem Zwecke sollte der Verein auch ein eigenes Haus erwerben, mit Wohnungen für die Mitglieder, mit einer Gaststätte, mit Lesesaal und Bibliothek

Kurz, alles was immer einen Studierenden notwendig oder nützlich ist und sich durch korporativen Zusammenschluss erziehlen lässt, den Verkehr zwischen Professoren und Studenten zu einem innigeren und freundschaftlichen zu gestalten. Vor allem aber sollte er aus seinen Mitgliedern männliche Charaktere heranbilden, begeistert für das Wohl von Kirche und Vaterland. In seiner idealistischen Auffassung hielt es Eicke nicht für sonderlich schwer für seine Ideen alle edel denkenden Studierenden zu gewinnen. Nach seinen Plänen sollte der Verein über Münchens Grenzen hinaus ein allgemeiner katholischer Studentenbund werden, der alle höheren Lehranstalten umfassen und als organisches Ganzes nach einheitlicher Leitung in einträchtigem Zusammenwirken aller Kräfte klar erkannte und bewusste Zwecke mächtig zu fördern und zu erreichen suchen sollte. Es gelang ihm auch in kurzer Zeit einige Interessenten für seine Pläne zu gewinnen. Die Durchführung seines Projektes wollte er sich dadurch erleichtern, dass er die einzige bestehende Studentenverbindung Aenania für seine Sache zu gewinnen versuchte, weshalb er ihr beitrat. Seine bisher gewonnenen Freunde sollten jedoch vorerst außerhalb der Verbindung bleiben und den Lauf der Dinge abwarten. Als er schon glaubte, die aktiven Aenanen für die Umgestaltung ihrer Organisation in seinem Sinn gewonnen zu haben, schaltete sich das Philisterium ein, vereitelte den Plan und setzte es durch, dass Eicke mit noch einigen Aenanen aus der Verbindung ausgeschlossen wurde. Von diesen folgten ihm Durach und Knaup. Nun ging er mit seinen Anhängern selbständig vor. Auf einem gemeinsamen Ausflug zum Restaurant „Tivoli“ im „Englischen Garten“ wurde am Sonntag, den 28. Januar 1866, das Gründerstatut und die Organisation des neuen Vereins, dem man den Namen „Allgemeiner Studentenverein“ gab, beraten und angenommen.

Die 12 Gründer des Vereins waren:

  • Eicke Karl-August, stud. Phil., Weissenborn, Prov. Sachsen,
  • Brägger Karl, stud. Pict., St. Gallen,
  • Cornet Josef, stud. Phil., Eichstätt,
  • Eigenmann Carl, stud. Phil., St. Gallen,
  • Hochholzner Casimir, cand. Phil., München,
  • Knaup Wilhelm, stud. Theol., Wormeln i. W. (aus Aenania),
  • Lehrnbecher Ignaz, stud. Med., Schwarzhofen – Oberpf., (Monachia)
  • Luber Heinrich, stud. Jur., München,
  • Nix Franz, stud. Theol., Reusreath,
  • Sonnenschein Heinrich, stud. Theol., (Arminia) Wemden,
  • Sprickmann-Kerkernick Heinrich, stud. Jur. Et theol., (Leseverein Berlin) Arnsberg
  • i.W. Strähuber Max, stud. Theol., München.

Am 14. Februar fand die erste Geschäftssitzung statt, in welcher Eicke als Gründer des Vereins den Vorsitz führte und den von ihm ausgearbeiteten Entwurf der Statuten zur Beratung vorlegte. Diese ersten Statuten enthalten die hohen Zwecke, die der Gründer dem Verein stellte. Als dessen Aufgabe bezeichnete er: „Pflege, Förderung und Darbietung alles Guten, Schönen, Nützlichen und Wünschenswerten, insofern es von Studenten im Verein erreicht oder erstrebt werden kann.“ Dies wird in 11 Artikeln des Näheren ausgeführt. Die Schwerpunkte liegen bei: Bildung des Gemüts, des Geistes und Körpers, die Pflege echter Freundschaft, die Weckung versteckter Kräfte, Förderung und Erhaltung echter Gemütsfrische, Halt- und Stützpunkt für Studenten, Lern- und Hilfsmittel bereitstellen, billige und sinnreiche Vergnügen bieten. Von besonderem Interesse ist die Auffassung des Vereins bezüglich der Stellungnahme gegenüber bestehenden Verbindungen und Vereinen. Man empfand die Trennung der farbentragenden und nichtfarbentragenden Verbindungen als ein Übel, welches dem Ziel beider Organisationen im Wege steht. Demzufolge wurde das Farbentragen an sich nicht als verwerflich betrachtet, man hielt es lediglich unter den gegebenen Umständen für schädlich, diese Form anzunehmen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass schon in dieser ersten Satzung von den Vereinsfarben gesprochen wird: Silber und Gold werden als Vereinsfarben bezeichnet, welche Tugend und Wahrheit, die höchsten Ziele und Güter des Vereins, versinnbildlichen sollen und die auf purpurrotem Grund zum Zeichen echter Liebe und feurigen Eifers, des fruchtbaren Bodens für Tugend und Wahrheit, getragen werden. Diese Farben sollen allerdings erst getragen werden, wenn der Verein die Achtung gebietende Stellung erlangt habe, die für das Anlegen der Farben notwendig sei. Dann sollte aber kein Vereinsmitglied verpflichtet sein, die Farben öffentlich zu tragen. Es sollte aber jedem eine Ehre sein.

Eicke wollte erst dann an den noch jungen Verein herantreten, wenn dieser erst einmal über 100 Mitgliederzählen würde. Doch Eicke rechnete damit, dass dieser Zeitpunkt gar nicht so fern läge. Er dachte auch, dass reiche Geldspenden, Vermächtnisse etc. seine übrigen Pläne, wie die Errichtung eines Hauses, ihre Verwirklichung finden würden. Es waren wunderbare, idealistische Päne, doch hatte er seine Kraft und die des jungen Vereins und die damalige wirtschaftliche und finanzielle Lage gerade der Katholiken überschätzt.

 

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